Das jugendzentrum im reingruberhaus bis januar 1976

Von Anfang an stand die Frage nach einem Jugendzentrum immer wieder auf der Tagesordnung. Dabei geht es um einen Raum für Veranstaltungen, einen „geschützten“ Raum für Jugendliche und -vor allem- einen selbstverwalteten Raum.

 

Die Ideen waren vielfältig. Schranne – Roter Ochse – Altes Rathaus – Landwirtschaftsschule und und und ... Dass es am Ende -eigentlich nur zum Übergang- das Haus des Fotografen Reingruber, stadtauswärts nach der Wörnitzbrücke, gegenüber dem Freibad gelegen, wird, war zu Beginn nicht absehbar.

 

 

Im März 1971 wendet sich die Junge Union mit einem Brief an den Stadtrat bzw. den Bürgermeister. Es soll, so der Kern des Briefes, ein kommunaler Jugendplan geschaffen werden, eine Konzeption erstellt werden. Das Problem der Jugendlichen ohne Raum, ohne Möglichkeiten, wird immer deutlicher von allen Seiten gesehen.

 

In der Stadtratssitzung vom 17.5.1971 wird der Antrag der JU besprochen. Der ganze Fragenkomplex soll von einem noch zu bestellenden Ausschuss und den einzelnen Jugendgruppen beraten werden. In diesem Ausschuss sollen 2 Mitglieder der CSU-Fraktion und je einer der SPD- und FW-Fraktion sitzen. Dazu jeweils Vertreter aller in Dinkelsbühl bestehenden Jugendgruppen.

 

Die CSU benennt die Herren Riegler und Blank, die SPD Herrn Mohaupt, die Freien Wähler senden Herrn Dauberschmidt in diesen Ausschuss.

Seit über 40 Jahren gibt es zu diesem Zeitpunkt keine Frau mehr im Dinkelsbühler Stadtrat, dies nur nebenbei..

 

Am 20. Dezember 1971 wird das Thema Jugendraum / Jugendzentrum das erste Mal konkreter im Stadtrat besprochen. Initial dafür sind Anträge des Jugendrates. So schlägt dieses Gremium zum Beispiel vor, das momentan nicht genutzte Gemeindehaus in Wolfertsbronn zu nutzen. Laut Beschluss wird der Stadtrat bzw. ein Ausschuss es besichtigen, danach die Entscheidung treffen.

 

Parallel wird vom Jugendrat vorgeschlagen, den Saal in der Jugendherberge mit einer Heizung zu versehen, so dass er für Jugendliche genutzt werden könnte. Dieser Plan kommt in den Aufgabenkatalog für den Mehrjahresplan. Die Bestimmungen der Jugendherberge stehen einer solchen Benutzung zwar noch entgegen und der Stadtrat weist darauf hin, dass diese nur über das Jugendherbergswerk zu ändern seien.

 

Im Frühjahr 1972 wird ein großes Sportzentrum geplant (das dann doch nicht zustande kommt). Im April 1972 wird dies im Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport des Stadtrats diskutiert. Auch hier liegt ergänzend dann ein Antrag des Jugendrates vor. Unterschrieben von Paul Beitzer wird ein Freizeitzentrum und ein Eislaufplatz im Sportzentrum vorgeschlagen.  Die FLZ schreibt am 4. Mai, dass man kein eigenes Jugendzentrum mehr benötige, wenn man beim Sportzentrum einen „Aufenthaltsraum für 50 Personen und einen Saal für Veranstaltungen“ mit plane.

 

Trotzdem werden weiter alternative Standorte gesucht. Im Rahmen der Vorstellung des Halbjahresberichtes des Jugendrates bat „Wilfried Spriegel“, so die FLZ, „die anwesenden Jugendlichen um Vorschläge für das noch zu erstellende Jugendzentrum. Genannt wurden Engel, Schlucht, Klostergebäude und das Dachgeschoss der Jugendherberge.“

 

Doch scheitern alle Vorschläge daran, dass sofort Beschwerden der Nachbarschaft des jeweiligen Stadtortes vorgebracht werden. Vor allem die befürchtete Lärmbelästigung ist den Dinkelsbühler Bürgern immer wieder vor Augen.

 

Im Herbst 1972 zeichnet sich die „Wende“ ab, in einer nicht-öffentlichen Sitzung des Stadtrates wird zum ersten Mal das Reingruberhaus erwähnt. Es wird der Stadt zum Kauf angeboten, der Kaufpreise ist dem Gremium aber zu hoch. Es soll weiterverhandelt werden, um den Preis zu drücken, generelles Interesse wird aber signalisiert.

 

 

 

Am 14.11.72 erscheint in der FLZ ein Bericht über die Neuwahl des Jugendrates. Darin wird deutlich, dass das Jugendzentrum für diese Legislaturperiode des JR stärker im Fokus stehen soll als im Vorjahr.

 

 

Am 8.2. 1973 findet um 17:00 eine Sitzung des Jugendausschusses statt. Anwesend ist Bürgermeister Schenk, der Jugendreferent Forkel, als Stadträte Goderbauer und Rechenberg und von den Verbänden Höhenberger als Vertreter des TSV, Fensterer für die JU, Jusos werden von Beitzer vertreten, der Jugendrat von Hildegard Gröger, die SMV das Gymnasiums vertritt Michael Rittig

 

Es geht ums Jugendzentrum. Der Jugendreferent der Stadt Forkel schlägt den Roten Ochsen vor.

 

Von der Jungen Union wird das Deutschordensschloss ins Spiel gebracht, Bürgermeister Schenk bring die Räume der Landwirtschaftsschule ins Spiel, die irgendwann auch einer neuen Nutzung zugeführt werden müssten, ebenso ein Haus in der Koppengasse, die Nr. 9, hier schlägt er einen Abbruch und Neubau vor.

 

Diskutiert werden vor allem die Fragen der Aufsicht, der Rechtsform und der Kontrolle. Deutlich zeigt sich, bei unterschiedlicher Vorstellung, dass generell alle Gruppierungen und Körperschaften ein Jugendzentrum wollen.

 

Im Bericht der FLZ, der am 12.2. 73 dieses Treffen wiedergibt, werden von der Redaktion die Stadttürme als Möglichkeit ins Spiel gebracht.

 

 

 

Am 21. Februar wird in der nichtöffentlichen Sitzung des Stadtrats darüber informiert, dass der Stadt ein Angebot vorliege, das Reingruberhaus für 80.000 DM zu kaufen. Dieser Preis ist dem Stadtrat zu hoch, angestrebt werden soll ein Kauf für 70.000 DM. Letztendlich wird das Haus im Sommer für 60.000 DM gekauft, im Stadtrat wird diskutiert, ob das Objekt vorübergehend für Zwecke der Jugend genutzt werden kann oder sofort abgebrochen wird.

 

 

 

In einer SPD-Versammlung zur kommenden Kommunalwahl sprach Bürgermeister Schenk deutlich aus, dass das Reingruberhaus nur ein Provisorium sei.

 

 

 

Am 26.9.1973 findet die entscheidende Stadtratssitzung für den weiteren Gang statt. Der gemeinsame Antrag des Jugendrats und des Pfadfinderstamms Pegasos Dinkelsbühl auf Überlassung des früheren Reingruberhauses wird verlesen.

 

„Der Stadtrat ist mit der unentgeltlichen Nutzung der Räume durch den Jugendrat und die Pfadfinder einverstanden. Es wird ausdrücklich festgestellt, dass es sich nur um ein Provisorium handelt, bis eine bessere Lösung gebunden ist. Das EG und 1 Raum im 1 OG gehen an den Jugendrat, der Rest plus Atelier an die Pfadfinder.“

 

 

 

Beim nächsten Treffen des Jugendforums beklagt die Junge Union dann, lt. FLZ vom10.11.1973, dass das Reingruberhaus nur an zwei Gruppen gegeben worden ist.

 

 

 

Im Januar 1974 findet eine Besichtigung des Reingruber-Hauses statt. Vom JR sind Karin Schütz und Rüdiger Hoffmann dabei, dazu jemand ohne Namensnennung von den Pfadfindern, dazu nicht genannte Vertreter der Stadt. Beschluss ist erstmal, dass die Fenster gerichtet werden, die Stadt verlangt, so die Absprache vor Ort, keine Miete.

 

 

 

Am 1. Februar 1974 erscheint in der FLZ ein Artikel, der mit „Das Reingruberhaus ist kein Matratzenbums“ überschrieben ist.

 

 

Der Artikel gibt eine Sitzung des Jungenforums im Bootshaus am 29.1.1974 wieder. Es ging in der Hauptsache im Verlauf der Sitzung um einen Veranstaltungskalender aller beteiligten Vereine und Organisationen für die Jugendlichen in Dinkelsbühl. Bisher waren dafür eine Bildersuchfahrt und ein Faschingskehraus geplant, Stadtrat Forkel bat um weitere Beiträge, um einen vollen Kalender zu erstellen.

 

Anfangs der Sitzung ging es aber vor allem um das Reingruberhaus. Die anwesenden Mitglieder des Jugendrates bemängelten die noch fehlende Einrichtung.

 

 

Auch die anderen Mitglieder des Jugendforums bemängelten die noch fehlende Unterstützung durch die Stadt, nicht nur für die Räume des Jugendrats, sondern auch für die Bereiche, die die Pfadfinder belegten.

 

In der Stadtratssitzung vom 6. Februar 1974 wurde dann sehr schnell reagiert. Die Stadt bewilligte, neben Holz zum Innenausbau, 10.000 DM für die Erneuerung der Tankanlage und für den Einbau einer Toilette. Bürgermeister Schenk war in dieser Sitzung voll des Lobs für den Jugendrat. Dieser habe, so Schenk, „sehr sparsam gewirtschaftet“.

 

Im Reingruberhaus fanden im Frühjahr/Sommer 1974 immer wieder kulturelle Veranstaltungen statt. Zum einen Filmvorführungen, …

 

 

…aber auch für die damalige Zeit völlig neuartige Kunstprojekte wurden durchgeführt. Der folgende Bericht aus dem Sommer 1974 gibt ein Beispiel dafür:

 

 

Die Verhältnisse änderten sich im Herbst 1974. In den Räumen im zweiten Stock sammelte sich, wodurch bedingt auch immer, Unrat an, leere Flaschen, Papiermüll etc.

 

Am 7. November fand um 17.00 im Rathaus eine Aussprache des Jugendforums mit dem Jugendausschuss statt. Von Seiten der Stadt nahmen Bürgermeister Schenk und die Stadträte Forkel und Goderbauer teil

 

Die Jugendlichen waren vertreten durch Scholz (Arbeitskreis Musik), Kienzel, Hermann und Beck (SMV Wirtschaftsschule), Andreas Wenng von der Jungen Union, Paul Beitzer von den Jusos und Wolfgang Müller von den Pfadfindern. Den Niedergang des Jugendrates in dieser Zeit belegt auch die Tatsache, dass zu diesem Treffen kein Vertreter des Jugendrates erschien.

 

Paul Beitzer brachte zur Sprache, dass der Stadtbaumeister Zelfel wohl einen Raum im oberen Stockwerk schließen wolle.

 

Der zunehmende Niedergang der Idee des selbstverwalteten Jugendzentrums wird nicht nur durch innere Prozesse deutliche. Am 18.11.74 erschien ein Bericht über einen Einbruch ins Reingruberhaus, ergänzt durch einen zweiten, einen Tag danach.

 

 

In der Folge der Auflösung des Jugendrates wurde diesem das Betreten des Reingruberhauses. In einem Brief der Stadt an die Pfadfindergruppe Pegasus, die die andere Hälfte des Hauses nutzte steht: „Selbstverständlich steht ihnen das Recht zu, sich widersetzende Jugendliche des ehemaligen Jugendrates der Stadtverwaltung zu melden.“

 

Die Filmvorführungen durch die Pfadfinder fanden weiterhin im Reingruberhaus statt, so zum Beispiel:

 

Am 30.11.1974 „Der geteilte Himmel“, Verfilmung des Romans von Christa Wolf

 

Am 14.12.1974 „Mein Kampf“, die damals neue und viel beachtete Dokumentation von Erwin Leiser

 

Am 31.12.1974 „Als Lachen Trumpf war“ (Chaplin) und „Nur leichte Kämpfe im Raum Da Nang“

 

Am 9.2.1975 „Che Guevara“

 

 

 

Ab dem Sommer 1975 scheinen die Aktivitäten im Reingruberhaus völlig eingeschlafen zu sein. In der Stadtratssitzung vom 9.4. 75 wird, so die FLZ, gesagt: „Endziel für das Reingruberhaus laute jedenfalls Abriss“. Die Pfadfinder, die nach wie vor die aktive Gruppe dort seien, sollen evtl. den Bäuerlinsturm bekommen, der Jugendrat existiere sowieso nicht mehr.

 

 

 

Einzig als es um den Abriss ging und beim Breitling-Gutachten wird das Haus nochmals in der Zeitung erwähnt. Im Parkpkatzgutachten von Breitling wird das Grundstück als Parkplatz angepriesen, verbunden mit einer (Fußgänger?)brücke über die Wörnitz, wohl ins Freibadgelände?? Das bleibt etwas vage

 

 

Davon abgesehen finden sich nur Texte zum Abriss. Nicht nur die Stadtoffiziellen planen in diese Richtung, es erscheinen auch Leserbriefe, die einen Abriss nahelegen. So zum Beispiel am 22. 10. 1975 in der FLZ:

 

 

 

Am 4.11.1975 findet sich der Bericht aus der Stadtratssitzung: